Sieben intensive Trainingstage am Gardasee – neun Optis, viel Wind und große Fortschritte

Sieben intensive Trainingstage am Gardasee – neun Optis, viel Wind und große Fortschritte

Sieben Tage, neun Optimisten und nahezu perfekte Trainingsbedingungen: In der letzten Woche der Sommerferien ging es für unsere Opti-Gruppe noch einmal an den Gardasee. Mit dabei waren Seglerinnen und Segler unterschiedlicher Alters- und Leistungsstufen – verbunden durch ein gemeinsames Ziel: auf dem Wasser dazulernen, sich neuen Herausforderungen stellen und als Gruppe eine intensive Woche erleben.

Die Wettervorhersage hatte uns im Vorfeld insbesondere für die Wochenmitte etwas Sorgen bereitet. Am Ende zeigte sich der Gardasee jedoch von seiner besten Seite. An allen sieben Trainingstagen konnten wir aufs Wasser und insbesondere die Morgenstunden boten zuverlässig gute Bedingungen. Selbst an den vermeintlich schwierigeren Tagen standen mindestens drei wertvolle Trainingsstunden je Einheit zur Verfügung.

Wenn aus viel Wind wertvolle Erfahrung wird

Besonders wertvoll waren mehrere Tage mit mehr als 20 Knoten Wind. Bedingungen, die gerade im Optimisten einiges von den jungen Seglerinnen und Seglern verlangen und gleichzeitig Möglichkeiten bieten, die wir am Starnberger See nicht jeden Tag bekommen.

Bootsbeherrschung, Steuertechnik, Körperarbeit und das sichere Segeln bei viel Wind standen entsprechend im Mittelpunkt. Dabei ging es nicht darum, einfach möglichst lange auf dem Wasser zu bleiben. Die Kinder sollten zunehmend verstehen, wie sie ihr Boot in unterschiedlichen Situationen kontrollieren, wo ihre eigenen Grenzen liegen und mit welchen technischen Veränderungen sie auch anspruchsvolle Bedingungen bewältigen können.

Fortschritte waren dabei teilweise schon von einer Einheit zur nächsten sichtbar. Was am Morgen noch Überwindung oder mehrere Versuche erforderte, funktionierte am Nachmittag plötzlich deutlich besser.

Genau diese Erfahrungen sind ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung im Opti. Denn Segeln bedeutet auch, Entscheidungen selbst zu treffen, Verantwortung für das eigene Boot zu übernehmen und zu lernen, mit Situationen umzugehen, die nicht immer bequem oder vorhersehbar sind.

Lernen endet nicht mit dem Anlegen

Entsprechend intensiv wurde auch abseits des Wassers gearbeitet. Nach den Einheiten wurden Situationen gemeinsam aufgearbeitet, Videos analysiert und technische sowie taktische Themen in Theorieeinheiten vertieft.

Die Videoanalyse bot den Kindern dabei die Möglichkeit, das eigene Segeln einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Bewegungsabläufe, Manöver oder die Bootsposition lassen sich an Land häufig noch einmal ganz anders verstehen als mitten in der Situation auf dem Wasser.

So entstand über die Woche ein ständiger Wechsel zwischen Ausprobieren, Beobachten, Besprechen und erneutem Umsetzen auf dem Wasser.

Dass die Tage lang waren, ließ sich spätestens am Abend kaum übersehen. Nach zwei Wassereinheiten, Theorie und gemeinsamem Sport waren die Akkus bei vielen ziemlich leer. Gleichzeitig blieb die Stimmung über die gesamte Woche ausgesprochen gut.

Klettern als Training für Segler

Dass gutes Segeltraining nicht ausschließlich auf dem Wasser stattfindet, zeigte auch ein gemeinsamer Nachmittag in der Kletterhalle.

 

Klettern fordert viele Fähigkeiten, die auch beim Segeln eine wichtige Rolle spielen: Koordination, Körperspannung, Gleichgewicht, Konzentration und nicht zuletzt Griffkraft. Gleichzeitig mussten sich die Kinder immer wieder neue Wege suchen, Bewegungsabläufe planen und sich auch an Routen versuchen, die zunächst vielleicht etwas

zu schwierig erschienen.

Damit war der Ausflug nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern eine sinnvolle Ergänzung zum Training – und eine Empfehlung, die wir unseren Seglerinnen und Seglern auch für das Training abseits des Wassers mitgeben können.

Mehr als schnelle Boote und Regattaergebnisse

Natürlich wollen wir unsere jungen Seglerinnen und Segler sportlich weiterentwickeln. Wir freuen uns über gute Regattaergebnisse, über Qualifikationen und darüber, wenn der Weg später in die nächste Bootsklasse oder vielleicht sogar in einen Kader des Bayerischen Seglerverbandes führt.

Doch eine Woche wie diese zeigt auch, warum Nachwuchsarbeit nicht allein an Ergebnislisten gemessen werden sollte.

Neun Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen verbringen sieben intensive Tage miteinander. Sie müssen sich gegenseitig helfen, Material vorbereiten, Verantwortung übernehmen, mit Erfolg genauso wie mit Frust umgehen und nach einer anstrengenden Einheit am nächsten Morgen wieder motiviert am Boot stehen. Die Erfahreneren können den Jüngeren helfen, gleichzeitig lernt jeder auf seinem eigenen Niveau weiter.

Segeln bietet damit etwas, das weit über die reine sportliche Ausbildung hinausgeht: Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Durchhaltevermögen, Teamgeist und die Erfahrung, dass Fortschritt häufig dann entsteht, wenn man sich einer Herausforderung stellt.

Und genau darin liegt ein wesentlicher Teil unserer Jugendarbeit.

Der Optimist ist für viele Kinder der Einstieg in den Segelsport. Von hier führt der Weg später vielleicht in den 29er, 420er, 470er, auf die J/70 oder in eine ganz andere Klasse. Nicht jedes Kind wird Leistungssport betreiben – und das muss auch nicht das Ziel sein. Entscheidend ist, eine gute Basis zu schaffen, auf der sich sportliche Fähigkeiten ebenso entwickeln können wie langfristige Freude am Segeln und die Verbundenheit mit dem Verein.

Wenn ehemalige Opti-Seglerinnen und -Segler einige Jahre später in den Jugendklassen erfolgreich unterwegs sind, Verantwortung in Teams übernehmen oder weiterhin mit Begeisterung für den DTYC segeln, beginnt dieser Weg häufig genau hier: bei gemeinsamen Trainingstagen, Regatten und Trainingslagern wie dieser Woche am Gardasee.

Nach sieben intensiven Tagen kehrten unsere neun Seglerinnen und Segler entsprechend müde, aber mit vielen neuen Erfahrungen zurück an den Starnberger See. Technisch wurde viel dazugelernt, neue Grenzen wurden ausgelotet und gemeinsam wurde eine Woche erlebt, die sicherlich noch etwas länger in Erinnerung bleiben wird.

Ein großes Dankeschön an alle, die eine solche Trainingswoche möglich machen – und vor allem an unsere neun Seglerinnen und Segler für ihren Einsatz, ihre Motivation und eine großartige Woche am Gardasee.