Quagga-Muschel im Starnberger See: Jetzt kommt es auf uns an!

Quagga-Muschel im Starnberger See: Jetzt kommt es auf uns an!

In anderen Seen verursacht sie bereits massive ökologische und technische Probleme. Für den Starnberger See gilt die Ausbreitung derzeit noch als frühes Stadium – genau deshalb sind jetzt Aufmerksamkeit und konsequentes Handeln entscheidend.  

90 Prozent der Biomasse: Diesen Anteil erreicht die Quagga-Muschel nach Angaben aus den USA bereits im Lake Michigan. Am Bodensee kämpfen Wasserwerke mit festgesetzten Muscheln in Leitungen und Filteranlagen; laut einer im Spiegel zitierten Studie könnten Schäden in Millionenhöhe entstehen. Seit November 2025 ist die invasive Muschel nun auch im Starnberger See nachgewiesen. Das Landratsamt Starnberg betont zugleich, dass sich die Verbreitung hier wohl noch im Anfangsstadium befindet.

Warum die Quagga-Muschel so problematisch ist

Die Quagga-Muschel stammt ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum und gilt als hochinvasiv. Sie kann Schiffsrümpfe und Bojen überwuchern, Wasser- und Abwasserleitungen verstopfen, Fischernetze beeinträchtigen und die Motorkühlung von Booten lahmlegen. Eine ernste Gefahr für die Funktionsfähigkeit all unserer Hafenlieger! Zugleich verändert sie das ökologische Gleichgewicht, weil sie mit einheimischen Arten um Nahrung und Flächen konkurriert. Auch für Badegäste können die scharfkantigen Schalen zum Problem werden.

Die eigentliche Gefahr: unbeabsichtigte Verschleppung

Besonders kritisch ist, dass sich die Quagga-Muschel sehr leicht weiterverbreiten kann. Ihre Larven sind mikroskopisch klein, haften an Booten, Ausrüstung, Schläuchen, Angeln oder Spielzeug unserer Jugend oder verbleiben in Restwasser. Nach Angaben des Landratsamts überlebt die Muschel zudem bis zu vier Tage außerhalb des Wassers. Genau deshalb ist der Wechsel zwischen verschiedenen Gewässern der entscheidende Risikofaktor.

Was das für den DTYC bedeutet

Für uns im DTYC heißt das vor allem: Wir müssen auf Maßnahmen setzen, die im Cluballtag tatsächlich umsetzbar sind. Die vom Landratsamt empfohlene Heißwasserreinigung ist fachlich sinnvoll, praktisch aber nicht in jedem Fall realistisch. Die wichtigste und für uns am einfachsten umsetzbare Vorsichtsmaßnahme ist deshalb die konsequente Trockenzeit nach jedem Gewässerwechsel. Das passt auch zur Linie des Landratsamts, das die weitere Ausbreitung hemmen und vor allem eine Verschleppung in andere Gewässer verhindern will.

Unsere Regeln im DTYC

Für den DTYC schlagen wir deshalb bis auf Weiteres folgende klare Vorsichtsregeln vor:

  1. Nach Regatten, Trainings oder anderen Einsätzen in fremden Gewässern darf ein Boot nicht sofort wieder in den Starnberger See eingesetzt werden.
  2. Boote, Motoren und Ausrüstung sollen nach jedem Gewässerwechsel mindestens fünf Tage vollständig trocken bleiben, bevor sie wieder bei uns zu Wasser gehen. Das entspricht der offiziellen Empfehlung des Landratsamts und ist für unseren Club die praktikabelste Schutzmaßnahme.
  3. Boote, Trailer und Ausrüstung sind nach der Rückkehr gründlich zu reinigen, besonders Rumpf, Ruder, Schwert, Slipwagen, Leinen, Fender, Persenning, Schläuche und alle Stellen, an denen Wasser stehen bleiben kann. Die Larven können an Oberflächen und in Schläuchen haften.
  4. Restwasser muss konsequent entfernt werden. Kühlkreisläufe, Bilgen, Schläuche, Eimer und andere wasserführende Teile dürfen nicht mit Wasser aus anderen Gewässern an den See zurückgebracht werden. Diese Form der Verschleppung gilt als zentrales Risiko.
  5. Wo technisch möglich, ist eine Heißwasserreinigung zusätzlich sinnvoll. Das Landratsamt empfiehlt mindestens 65 °C für Bootsrümpfe sowie ein 15-minütiges Spülen von Motoren in 70 °C heißem Wasser.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Noch ist der Starnberger See nach Einschätzung des Landratsamts in einem frühen Stadium der Ausbreitung. Gerade deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, umsichtig zu handeln. Für uns im DTYC bedeutet das vor allem: keine unnötigen Risiken, keine vorschnelle Wiedereinsetzung nach auswärtigen Regatten und eine klare Priorität für Reinigung, Entleerung und vollständiges Trocknen. So leisten wir gemeinsam einen konkreten Beitrag zum Schutz unseres Sees und anderer Gewässer in der Region.

Bereits betroffene Seen:

Deutschland

Berlin

Österreich

  • Bodensee, Attersee, Traunsee, Mondsee, Feldkirchner Badesee, Ossiacher See, Millstätter See, Weißensee, Alte Donau — bestätigt. Quelle: BMLUK.
  • Wörthersee, Keutschacher See — eindeutige Hinweise im eDNA-Monitoring. Quelle: BMLUK.
  • Wolfgangsee, Obertrumer See — Nachweis im eDNA-Monitoring 2023. Quelle: BMLUK.

Schweiz

  • Bodensee, Genfersee, Neuenburgersee, Bielersee, Murtensee, Lac de l’Hongrin — bestätigt. Quelle: Eawag.
  • Zürichsee, Zugersee, Vierwaldstättersee — neu nachgewiesen. Quelle: Eawag.
  • Lac de Joux — bestätigt. Quelle: Eawag-Quagga-Fachstelle.
  • Luganersee / Ceresio, Lago Maggiore / Verbano — im Tessin ist die Präsenz der Quagga-Muschel im Larvenstadium als sicher beschrieben; wegen des Grenzsee-Charakters betrifft das Schweiz und Italien. Quelle: Repubblica e Cantone Ticino.

Italien

 

 

Quellen

Grundlage dieses Beitrags sind das Informationsblatt des Landratsamts Starnberg zur Quagga-Dreikantmuschel (Stand September 2025), die Presseinformation des Landratsamts Starnberg zum Nachweis im Starnberger See vom 13. November 2025, der Beitrag der Süddeutschen Zeitung vom 14. November 2025 sowie Berichte zur Entwicklung am Bodensee, unter anderem im Spiegel und Naturschutzbund Deutschland e.V.