Der DTYC und der DSV trauern um Albert Schweizer
Albert Schweizer, passionierter Regattasegler, Segelmacher und Wettfahrtleiter, starb im April 2026 im 70. Lebensjahr. © Hinrich Franck

Der DTYC und der DSV trauern um Albert Schweizer

Der erfahrene Regattasegler, langjährige Wettfahrtleiter der Nordseewoche und engagierte Berater des Ausschusses Seeregatten im DSV verstarb am 2. April im siebzigsten Lebensjahr. Für seine Freunde und seglerischen Weggefährten bleibt er vor allem durch seine freundliche, den Menschen zugewandte, wertschätzende und hilfsbereite Art in Erinnerung.

Albert Schweizer gehörte seit Jahrzehnten fest zur deutschen Seesegelszene – zunächst als erfolgreicher Segler, später als anerkannter und versierter Wettfahrtleiter. Darüber hinaus war er als selbstständiger Berater und Crewmanager für Regattaprojekte im In- und Ausland tätig. „Telltale Marine“ hieß seine Firma – die englische Bezeichnung für die Windfäden im Segel, die als optische Indikatoren den Segeltrimm anzeigen. Und helfen wollte und konnte er überall dort, wo im Seesegeln Rat und Expertise gefragt waren.

Es gibt kaum eine nationale oder internationale Klasse, in der er nicht aktiv – und erfolgreich – war. Im Regattasport gewann Albert Schweizer zahlreiche nationale, Distrikt-, Europa- und Weltmeisterschaften in verschiedensten Einheitsklassen wie Laser, 470er, H-Boot, Drachen, Star, Melges 24, 6mR-Yachten und X-99. Hinzu kamen zahlreiche Erfolge auf großen Yachten. Er nahm am Admiral’s Cup und Sardinia’s Cup teil, segelte bei der Copa del Rey und den Voiles de Saint-Tropez und startete bei zahlreichen Regatten der Maxi-Klasse.

Aufgewachsen in Villingen-Schwenningen begann er bereits im Alter von vier Jahren auf dem Bodensee in Konstanz zu segeln. Die Familie aus dem Schwarzwald, zu der neben Albert auch sein nur ein knappes Jahr jüngerer Bruder Helmer gehörte, fand im Konstanzer Yacht-Club ihr seglerisches zu Hause. Nach klassischen Lehrjahren im Optimisten segelten die Brüder zusammen Vaurien, Pirat und 470er, später nahmen sie mit einer „Family & Friends“ Crew auf der 6mR-Yacht des Vaters an zahlreichen Regatten teil.

Nach der Schule absolvierte er am Bodensee eine Ausbildung zum Segelmacher. Über die Auslieferung großer Segel für die in den 1980er-Jahren populären „Cupper“ kam er nach Kiel, wurde aufgrund einer Crewvakanz kurzerhand „shanghaied“ – und fand so seinen Einstieg ins Seesegeln.

Dort wurde er schnell zu einem festen Crewmitglied auf großen Regattayachten. Zu den Höhepunkten seiner Segelkarriere zählten sieben Teilnahmen am Admiral’s Cup sowie zehn Starts beim Rolex Fastnet Race, das er als „Wimbledon des Segelns“ bezeichnete. Als versierter Segelmacher war er an Bord vor allem für den Segeltrimm verantwortlich.

Die Wiederauflage des Admiral’s Cup 2025 war für ihn ein besonderer Ansporn, die Begeisterung für diese „inoffizielle Weltmeisterschaft der Hochseesegler“ in der deutschen Seesegelszene neu zu entfachen. Besonders freute es ihn, dass es gelang, mit drei deutschen Teams an den Start zu gehen.

Wer das Glück hatte, mit Albert zu segeln oder mit ihm zusammenzuarbeiten, war vor allem von seiner Freundlichkeit beeindruckt – gepaart mit Geduld und Hilfsbereitschaft. Seine süddeutschen Wurzeln konnte er nie ganz verleugnen: Ein leichter Dialekt blieb, auch wenn er über Jahrzehnte in Bremen lebte und sich der Nordsee stärker verbunden fühlte als dem heimatlichen Bodensee. In seiner norddeutschen Wahlheimat nahm er an zahlreichen Seeregatten und vor allem an der Nordseewoche teil, als Crewmitglied der „Leu“ von Claus Löwe wurde er u.a. Deutscher Meister im Seesegeln.

2017 übernahm er als Nachfolger von Stefan Lehnert die Wettfahrtleitung der Nordseewoche und füllte dieses Amt in überzeugender Weise aus. Als Wettfahrtleiter dieser großen deutschen Regattawoche vor Helgoland war es ihm wichtig, für die Teilnehmenden präsent zu sein – nicht nur bei der Steuerleutebesprechung oder beim Start, sondern auch auf den Stegen und im Hafen. Ihm lag daran zu erfahren, was die Seglerinnen und Segler bewegt, wie sie denken und fühlen und wie sich die traditionsreiche Nordseewoche an ihren Bedürfnissen ausrichten lässt.

„Wir sind Dienstleister für die Seglerinnen und Segler und sind dafür da, dass sie am Ende Spaß haben. Denn wenn die Segler Spaß haben, ist es auch für den Wettfahrtleiter, den Organisationsleiter und das ganze Team eine tolle Sache“, sagte er in einem Interview. Auf seine Initiative hin wurde für die Teilnehmenden des Family Cruiser Cup eine separate Vorbesprechung eingerichtet, damit Regattaneulinge ihre Fragen stellen konnten, ohne sich vor erfahrenen Crews erklären zu müssen.

Mit seinem ausgeprägten Sprachgefühl und großer Empathie besaß er ein feines Gespür dafür, wie das Verhältnis zwischen ausrichtenden Vereinen, Wettfahrtleitung und teilnehmenden Crews ausgewogen und harmonisch bleibt. Dieses Zusammenspiel verglich er mit einem Pendel, das sich nicht auf einer Seite verhaken dürfe, sondern in einer beständigen, aufeinander zugehenden Bewegung bleiben müsse. Dabei achtete er stets auch auf die Nebensätze und feinen Zwischentöne.

Als langjähriger Berater des DSV-Ausschusses Seeregatten und Mitbegründer der Go4Speed-Seminare setzte er sich über Jahrzehnte für die Interessen der Seeseglerinnen und -segler und für die Gemeinschaft ein. Auf seine Anregung wurde die IDM Offshore ins Programm aufgenommen und das Pantaenius Rund Skagen Race Teil der deutschen Offshore-Meisterschaft. Darüber hinaus war er fast 20 Jahre lang anerkannter DSV-Vermesser für Segel und verfügte über die nationale Wettfahrtleiterlizenz. Als erfahrener Segelmacher in verschiedenen Firmen war es ihm immer wichtig, neue Technologien bekannt zu machen und so den deutschen Segelsport zu unterstützen.

„Mit Albert verlieren wir einen Freund, der ausnahmslos freundlich und hilfsbereit war, dem die Menschen am Herzen lagen und der sich immer für den Segelsport eingesetzt hat“, sagt Marcus Boehlich, mit dem ihn auch außerhalb der Pfingsttage auf Helgoland eine enge Freundschaft verband. „Er wusste immer, was er tat, und hat nahezu fehlerfrei gearbeitet.“

Der DSV und alle, die das Glück hatten, mit ihm zusammenzuarbeiten, trauern um diesen besonderen Menschen, der den deutschen Seesegelsport über Jahrzehnte geprägt hat und aus der Szene kaum wegzudenken ist.

Quelle: DSV