Vom 3. bis 9. Juli wurde Kiel zum internationalen Zentrum der 29er-Klasse. Rund 270 Teams aus aller Welt trafen bei der Weltmeisterschaft aufeinander und kämpften über sechs intensive Wettkampftage um die Titel. Mit dabei waren gleich mehrere junge Segler des Deutschen Touring Yacht-Clubs, die sich in einem hochkarätig besetzten Feld behaupteten.
Allen voran sorgten Moritz Aigner und sein Steuermann David Plettner (BYC) für ein herausragendes Ergebnis. Nach einer langen und intensiven Vorbereitung segelte das Team auf den fünften Platz der Weltmeisterschaft und erzielte damit das beste deutsche WM-Ergebnis in der 29er-Klasse seit 2016.
Bereits die Wochen vor der Weltmeisterschaft standen für Moritz und David ganz im Zeichen des Kieler Reviers. Bei der Kieler Woche präsentierten sich die beiden bei Leichtwind konstant in den Top Ten. Ein Frühstart im letzten Rennen kostete zwar einige Plätze, dennoch beendeten sie die Regatta auf einem starken elften Gesamtrang.
Es folgten einige Tage für Bootstuning, Regeneration und zwei weitere gezielte Trainingseinheiten. Die intensive Vorbereitung sollte sich zum Start der Weltmeisterschaft auszahlen.
In den ersten drei Tagen der Qualifikationsserie zeigte das Team eine beeindruckende Konstanz. Acht Wettfahrten bei überwiegend kräftigem Wind und ausschließlich Ergebnisse innerhalb der Top Vier brachten Moritz und David nach Abschluss der Qualifikation auf den dritten Gesamtrang.

Damit ging es im Goldfleet zunächst im roten Leibchen der Drittplatzierten weiter.
Mit Beginn der Finalserie änderten sich die Bedingungen mehrfach. Am ersten Goldfleet-Tag sorgten starker, drehiger und ablandiger Wind unter Land für schwierige taktische Entscheidungen. Moritz und David behaupteten sich weiterhin im absoluten Spitzenfeld und lagen auf Rang vier der Gesamtwertung.
Am folgenden Tag kamen kräftiger Wind und hohe Welle hinzu. Die Belastung stieg, das internationale Spitzenfeld rückte eng zusammen und jeder Fehler hatte direkte Auswirkungen auf die Gesamtwertung. Vor dem Finaltag lag das Team auf Rang acht.
Zum Abschluss zeigte sich Kiel schließlich von einer ganz anderen Seite. Leichte und drehende Winde bestimmten das Geschehen. Bedingungen, die Moritz vom Starnberger See bestens kennt. Das Team nutzte seine Chancen, arbeitete sich erneut nach vorne und beendete die Weltmeisterschaft sensationell auf dem fünften Gesamtrang.
Ein Ergebnis, das weit über eine einzelne starke Wettfahrt hinausgeht. Über eine gesamte Weltmeisterschaft hinweg gegen die internationale Spitze konstant vorne zu segeln, zeigt die enorme Entwicklung des Teams in den vergangenen Jahren. Besonderes Highlight: Sie dürfen ihre Platzierung nun als Segelnummer tragen – ab jetzt sind sie GER 5!
Wagner/Ziegler kämpfen sich trotz Verletzung zur Youth Worlds
Für Lukas Wagner und Valentin Ziegler begann die Weltmeisterschaft mit einer besonderen Herausforderung. Nur vier Tage vor dem ersten Start zog sich Lukas einen Anbruch am Handgelenk zu. Dass die beiden bei ihrem großen Saisonhöhepunkt an den Start gehen würden, stand dennoch außer Frage.
Allerdings musste das Team seinen gewohnten Segelstil kurzfristig an die Verletzung anpassen. Besonders bei den Starts, schnellen Manövern und unter hoher körperlicher Belastung machte sich das verletzte Handgelenk deutlich bemerkbar. Jedes einzelne Rennen wurde damit zu einer zusätzlichen Herausforderung.

Ausgerechnet in dieser Situation zeigte sich Kiel über weite Strecken von seiner anspruchsvollen Seite. Starkwind sowie böige und drehende ablandige Bedingungen verlangten den Teams körperlich alles ab. Nach mehreren intensiven Tagen auf dem Wasser wurde die Weltmeisterschaft zunehmend auch zu einer Frage der Ausdauer.
Lukas und Valentin ließen sich davon nicht aus dem Konzept bringen. Sie kämpften sich konsequent durch die gesamte Serie und konnten sogar einzelne Wettfahrten für sich entscheiden. Am Ende belegten sie einen starken 31. Platz im Feld der rund 270 Teams.
Das Ergebnis bekam mit Blick auf die Saisonplanung noch einmal besondere Bedeutung: Lukas und Valentin sicherten sich die Qualifikation für die Youth Worlds. Nach dem dritten Platz bei der YES als bestes deutsches Team und ihrer Leistung bei der Weltmeisterschaft haben sie damit eines ihrer großen Saisonziele erreicht.
Unter den gegebenen Umständen ist das Ergebnis umso bemerkenswerter. Die beiden haben in Kiel nicht nur ihre seglerische Qualität gezeigt, sondern auch, wie schnell sie sich als Team auf eine völlig neue Situation einstellen und selbst unter schwierigen Voraussetzungen konkurrenzfähig bleiben können.
Starke Einzelergebnisse für Hoffmann/Pabst und Waizenhöfer/Bötsch
Auch Xaver Hoffmann und Quirin Waizenhöfer stellten sich mit ihren Vorschotern der internationalen Konkurrenz in Kiel. Xaver segelte gemeinsam mit Silas Pabst vom SCBC auf den 122. Gesamtrang. Quirin Waizenhöfer und Cassian Bötsch vom Bayerischen Yacht-Club beendeten die Weltmeisterschaft auf Platz 138.
Beide Teams zeigten im Verlauf der sechs Wettkampftage immer wieder, dass sie sich auch in dem enorm starken Feld behaupten können. Neben einzelnen Rückschlägen und jeweils einem Frühstart gelangen ihnen mehrere sehr gute Rennen.
Für ein besonderes Ausrufezeichen sorgten Xaver und Silas: In einer Wettfahrt segelten sie an die Spitze ihres Fleets und sicherten sich den Rennsieg. Ein herausragendes Einzelergebnis bei einer Weltmeisterschaft mit rund 270 Teams und ein deutlicher Beleg für das Potenzial des jungen Teams.
Auch Quirin und Cassian konnten unter den anspruchsvollen Starkwindbedingungen starke Läufe zeigen. Gerade angesichts der körperlich fordernden und wechselhaften Bedingungen ist der 138. Gesamtrang ein sehr solides Ergebnis.
Für beide Crews war die Weltmeisterschaft damit weit mehr als nur das Sammeln internationaler Erfahrung. Starke Einzelergebnisse und der Wettfahrtsieg zeigen, dass sie bereits wichtige Akzente im internationalen 29er-Feld setzen können.


